add on – 20 Höhenmeter

Temporäre Gerüstskulptur

Ort: Wallensteinplatz, 1200 Wien
Realisierungszeitraum: 17. Juni bis 31. Juli 2005

Konzept und Realisierung: Peter Fattinger, Veronika Orso, Michael Rieper
Kuratorische Mitarbeit: Viera Jancekova, Michaela Secanska, Vitus Weh
Programm: Vitus Weh
Projektinitiator: Verein kunst 20 und Beirat für Kunst im öffentlichen Raum Wien

Projektinformation: www.add-on.at

 
 
Foto: Michael Strasser
Foto: Michael Nagl
Die temporäre Gerüstskulptur add on. 20 Höhenmeter bestand aus Gerüstbauteilen und containerähnlichen Bauelementen, die durch ihre schiere Größe in eine Art Konkurrenz zu seiner urbanen Umgebung trat. Der Medientheoretiker Reinhard Braun¹ nannte add on einen zur Autonomie neigenden urbanen Fremdkörper, der seine eigene Infrastruktur mit einschließt. Als fremd mochte daran erscheinen, dass verschiedenste Nutzungsmöglichkeiten von Architektur in loser, modularer Form ausgestellt wurden. In der Regel getrennte Lebensbereiche wie Wohnen, Arbeit, Konsum, Unterhaltung und Erholung wurden in einer clusterartigen Anordnung kombiniert, so dass ein Wohnzimmer, ein Treibhaus, ein Wohnwagen mit Vorgarten, ein Whirlpool mit einer Installation von David Moises, eine Werkskantine, ein Musikzimmer, eine Sonnenterasse und ein Panoramacafé in ein direktes Nebeneinander montiert wurden. Mit den eingebauten Toilettenanlagen, einem Aussichtsfernrohr und einem Tischfußballtisch mag das Projekt add on wie ein ironischer Kommentar zu den Funktionstrennungen der umgebenden städtischen Architektur gewirkt haben.
Auf Grund der architektonischen Ausmaße der Skulptur und der sich damit bietenden speziellen Nutzungen konnte ein Angebot zur vielfältigen Aneignung durch das Publikum gemacht werden. Durch die Begehbarkeit der verschiedenen Ebenen und hybriden Räume verwandelte sich die Gerüstskulptur in eine Spielwiese für Kinder aus der Nachbarschaft, in eine Ausstellung und in einen Aussichtsturm.

Während tagsüber insgesamt über 18.000 Besucher diese begehbare Großplastik als innerstädtisches Ausflugziel nutzten, verwandelte sich der "Stadtturm" am Abend zu einem überdimensionalen Clubraum und einer Chill–out Lounge.
Im Zusammenhang mit add on wurden zahlreiche internationale KünstlerInnen eingeladen, die eigene Arbeiten entwicklten, welche mit den örtlichen Gegebenheiten des Wallensteinplatzes zu tun hatten, wie unter anderen die Stadtexpeditionen von Pia Lanzinger, die ungewöhnliche Kartographierung per Hubschrauber der Galerie für Landschaftskunst Hamburg, die audiovisuellen Installationen von Barbara Musil, die Fotographien von Richard Fajnor oder die Möbel von Michael Moravcek.
Trotz der vielfältigen Benutzbarkeit und offenen Zugänglichkeit der Gerüstskuptur, gab es ein zentrales Modul, das exklusiv als temporäre Wohn- und Arbeitsstätte für GastkünstlerInnen verwendet wurde und so die gewohnte Funktion von Architektur erfüllte.
Für den Kurator Vitus Weh liegt mit add on auch ein szenischer Parcours vor, in den die Vorstellungen des experimentellen Theaters einfließen, wonach die ZuschauerInnen zu MitspielerInnen werden. Das Theatralische besteht darin, dass das Kunstwerk selbst zum Erlebnisraum wird und es keine getrennte Räume für die Darsteller und das Publikum gab.

bk

1 Reinhard Braun, add on – ein urbaner Cyborg. In: dérive – Zeitschrift für Stadtforschung, Heft 21/22, 2006, S. 14


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